| Rütisteinloch 2008 |
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Im Anschluss an die letzte
Höhlentour erzählte uns der dortige Älpler vom Rütisteinloch (dessen
Enkelkinder hatten ihm davon erzählt). Es solle sich um eine grössere
Höhle handeln, in diese auch schon der Turnverein eingestiegen wäre. Den
Eingang hatten wir schon auf der Fahrt auf die Alp gesehen, er war
mehrere Kilometer weit sichtbar.
Nach einer knappen Stunde, einem Umweg
und einigen unnötigen Höhenmetern (sie wollten einfach nicht auf mich hören)
erreichten wir den imposanten Höhleneingang. Der Zugang lag unter einem Felsband
des Rütisteins, die letzen Meter des Zustieg waren etwas mühsam, führte er doch
über eine steile Geröllhalde. Obwohl ein Pfad die Halde traversierte, wählten
meine Kollegen den beschwerlicheren Weg steil die Geröllhalde hinauf. Das ging
ganz gut, bis auf die Tatsache, dass man nach jedem Schritt mindestens die
Hälfte wieder zurückrutschte! Offenbar hatten nur die Jungs meinen Ratschlag
befolgt (unglaublich, sonst hören sie einem nie zu), denn sie wählten den
erwähnten Pfad und waren längst beim Eingang, als wir uns noch mit der Physik
der Erdanziehung auseinandersetzen mussten, welche uns immer wieder ein Stück
retour rutschen liess. Auch Jochen, unser Neuling, hatte in der Zwischenzeit den
Eingang erreicht. Der gebürtige Deutsche kam übrigens extra aus Kanada
eingeflogen um mit uns zum Rütisteinloch zu marschieren. Höhlentauglich war er
allerdings nicht, so schleppte er statt Höhlenmaterial nur ein über tausend
Seiten dickes Buch mit und zog es vor, draussen die Sonne zu geniessen. Nach kurzer Vorbereitung und erneuten
Diskussionen zwischen Reto und Celine, wer zuerst in die Höhle durfte, ging es
los. Die ersten Meter stiegen an, dann ging es mässig steil hinunter, bis wir zu
einigen Gangverzweigungen gelangten. Diverse Seitengänge führten hier in alle
Richtungen, teilweise steil hinauf, andere wiederum hinunter. Allesamt waren
jedoch noch stark vereist, so folgten wir vorsichtig weiter dem Hauptgang. Wenig
später standen wir vor einem tiefen Abgrund. Eine mit einem Lasermessgerät
ausgeführte Messung ergab eine Tiefe von über 20 Metern. Haken zum Abseilen
konnten wir keine finden, so bewährte sich ein erstes Mal unser grosses
Sortiment an Material. Mit dabei war nämlich auch eine Bohrmaschine, Dübel,
Schrauben und Plättli. Nachdem Reto die Abseilstelle mit zwei Haken
eingerichtet und ich das Seil
befestigt hatte, wagte Celine als erste den Abstieg in das tiefe Dunkel. Da die
Haken hielten, folgte ich Celine ins Innere des Berges. Marco und Reto
überwachten danach die Jungs (Mike & Patrice) bei ihrer Abseilübung. Patrice war
sichtlich nervös, bewältigte den Abstieg aber unter sachkundiger Führung
perfekt. Reto stiess als letzter zu uns. Marco riskierte den Abstieg infolge
einer alten Schulterverletzung nicht, was durchaus eine vernünftige Entscheidung
war. Aus dieser grossen Halle führte nun ein
Gang weiter ins Berginnere, aber keine zwanzig Meter weiter standen wir erneut
vor einem tiefen Abgrund. Jetzt fragten wir uns ernsthaft: wie war das mit dem
Turnverein!?
Eine Abseilstelle war hier bereits vorhanden, wir
überprüften, ob unser Seil bis ganz nach unten reichte und bewältigten
auch diesen Abgrund ohne Probleme. Unsere Junioren-Höhlenforscher
liessen wir aber nicht mehr nach unten, dies weil bereits wieder viel
Zeit vergangen war und der Aufstieg sicher länger als der Abstieg dauern
würde. Celine, welche (schon wieder) als erste unten war, hatte eine
unglaubliche Entdeckung gemacht: ein Dokument, welches beweist, dass der
Turnverein tatsächlich hier unten war (jedenfalls der Oberturner mit
seinem Führer). Da wir keine Knochenreste gefunden hatten, waren die
Turner offensichtlich auch wieder heil aus dieser Höhle gekommen. Ein
weiterer Gang führte von hier über eine Felsstufe weiter nach unten. Und noch einmal Celine: gesichert
kletterte sie der Wand entlang und erkundete noch diesen letzten Gang, welcher
dann aber nicht mehr weiterführte. Die einzige Fortsetzung wäre noch ein breiter
Spalt gewesen, für dessen Erkundung aber die Zeit nicht mehr reichte. Reto kämpfte sich als erster mit den
Steigklemmen die riesige Halle empor, der schwere Rucksack machte ihm dabei sehr
zu schaffen. Als im schon bald die Kraft auszugehen schien, redeten wir ihm von
unten Mut zu und schwindelten ihn ein wenig an - er habe es bald geschafft, nur
noch ein paar Meter - komisch, geglaubt hatte er uns kein Wort. Celine führte
uns dann in beachtlicher Weise vor, wie schnell man mit Seilklemmen aufsteigen
kann, allerdings ohne Rucksack! Ich bekam mittels zweitem Seil von oben etwas
Unterstützung, so war auch mein Aufstieg schnell und problemlos. Unternehme eine Tour ins Rütisteinloch ohne jegliches Risiko in der Fotogalerie ! Red WBi Juli 2008 |